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Internierte Polen in der Schweiz 1940 – 1945

Rückblick auf den Vortrag vom 23. November 2016

Rund 12’000 Polen wurden – zusammen mit 30’000 französischen Soldaten – im Juni 1940 in der Schweiz interniert. Silvio Keller beleuchtete dieses Thema in seinem Vortrag, und wies speziell auf die heute noch vorhandenen Spuren der polnischen Soldaten hin.
Oberstleutnant aD Silvio Keller aus Unterseen, ehemaliger Leiter der Arbeitsgruppe militärische Denkmäler des VBS (ADAB), hat den Besuchern seines Vortrags beim Verein Schweizer Armeemuseum ein berührendes Thema näher gebracht. Auf der Flucht vor den deutschen Truppen überschritten am 19. und 20. Juni 1940 30’000 französische und 12’000 polnische Soldaten die Schweizer Grenze und wurden interniert. Während erstere nach der Kapitulation Frankreichs den Heimweg antreten konnten, gab es für die Polen kein Heimatland mehr.

Keller beleuchtete die sehr freundliche Aufnahme der Internierten in der Schweiz und zeigte Spuren auf, die diese fremden Soldaten in der Schweiz hinterlassen haben: Vor allem in der Landwirtschaft (Melioration) und im Strassenbau wurden sie eingesetzt und als Beispiel diente Keller die Sustenpassstrasse, die ohne die polnischen Arbeitskräfte während des Krieges kaum fertig gebaut worden wäre. Gedenktafeln oder Brunnen in vielen Gemeinden quer durch die Schweiz und das Polenmuseum in Rapperswil ZH halten die Erinnerung aufrecht.

Nach dem Krieg kehrten nicht alle in ihr nun von der Sowjetunion besetztes Land zurück. Australien, Frankreich oder auch die USA waren beliebte Ziele und rund 1000 Polen blieben in der Schweiz. Trotz offiziellem Kontaktverbot mit der Zivilbevölkerung während der Internierung wurden 316 Ehen mit Schweizerinnen geschlossen und mehr als dreihundert uneheliche Kinder gezeugt. Noch heute besteht zwischen der Schweiz und Veteranenvereinigungen in Polen Kontakt, was gemäss Referent die grosse Bedeutung der damaligen Grosszügigkeit erahnen lässt.

"Konzentrationslager" Büren an der Aare.

Fotos: © Markus Hubacher, Spiez