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Die Wunderwaffen der Schweizer Armee

Neuerscheinung jetzt im Verlag VSAM erhältlich

Die Schweiz – ein Land voller Überraschungen – auch im militärischen Sinn: Weitgehend unbemerkt wurde von der Armee ein weitläufiges Zerstörungssystem aufgebaut. Hunderte von Sprengstoffstollen unter Brücken, Strassen oder sogar in Schiffen sollten den Vormarsch eines Gegners verhindern oder verzögern. Ein neues Buch aus dem Verlag Verein Schweizer Armeemuseum gibt einen detaillierten Überblick dieser «Wunderwaffen».

Wenn ausländische Militärs die Schweiz besuchten, wurden jeweils rasch Fragen über
das permanente Zerstörungssystem der Armee gestellt. Die Vorbereitungen für gezielte Sprengungen, um so einen feindlichen Vormarsch zu stoppen, beeindruckten und stärkten das Bild der abwehrbereiten Schweiz in den ausländischen Köpfen. Dass in diesem Zusammenhang von «Wunderwaffen» gesprochen wird, ist kein Zufall. Das System war relativ kostengünstig, effizient, der Einsatz wäre für einen möglichen Gegner meist überraschend gekommen und hätte dessen Vormarsch empfindlich verzögern können.

Im Inland waren die Sprengstoffstollen in Brücken und unter Strassen hingegen kaum ein Thema – die Geheimhaltung funktionierte. Mit der Aufhebung des Permanenten Sprengdispositivs 75 gegen Ende 2014 wurden Informationen darüber frei zugänglich. Buchautor Jürg Trick hat die Geschichte der militärischen Zerstörungsvorbereitung in allen Facetten zusammengetragen und in eine geordnete Form gebracht. Eine umfangreiche Arbeit, da bereits seit 1859 Kunstbauten vermint wurden – Strassen, Brücken und Tunnels. Auch die Flugplätze wurden zur Zerstörung vorbereitet – und sogar Schiffe! Der Autor hat die Geschichte des Zerstörungswesens intensiv recherchiert, hat Interviews geführt, und stellt jetzt die verschiedenen Techniken und Systeme im Detail vor, beschreibt Übungssprengungen der Truppen, erklärt die wenigen Unglücke und beendet das Thema mit dem Ausbau und der Liquidation der Hunderten von Sprengstoff-Kesseln durch die Armee.

Mit künstlichen Hindernissen wurde seit jeher militärisch starkes Gelände noch zusätzlich verstärkt. In einem zweiten Teil des Buches sind diese Hindernistypen und deren Einsatz
sowie Nutzen beschrieben. Von den einfachen Betonröhren über eingerammte Stahlträger bis zu speziell in die Landschaft eingepassten Höckersperren («Tobleronen») geht die Liste. Es ist erstaunlich, wie einfallsreich die Planer der Armee dabei waren!

Gemeinsam ist den Sprengobjekten und Geländehindernissen, dass sie heute in
der auf beweglichen und hochmobilen Einsatz ausgerichteten Armee XXI und deren Weiterentwicklung zunehmend aus der Landschaft verschwinden und überflüssig geworden sind – zumindest aus Sicht der heutigen Armeeführung. Es ist also genau der richtige Augenblick, um diese Systeme vorzustellen.

Illustriert wird das 600-seitige Buch mit vielen Original-Dokumenten, Plänen, Skizzen und Fotos – umfassend die ganze Einsatzzeit der Sprengobjekte und Geländehindernisse in der Schweizer Armee. Die Begleit- respektive Vorworte sind von VBS-Vorsteher Guy Parmelin sowie dem ehemaligen Generalstabschef Arthur Liener verfasst worden. Der Verein Schweizer Armeemuseum publiziert mit diesem umfassenden Buch erneut ein wichtiges Standardwerk der Militär- und Technikgeschichte.

Der Autor: Jürg Trick aus Bern (Jahrgang 1942) – auch Autor des Buches «Übersetzmittel der Schweizer Armee ab 1815» – war als Bauingenieur HTL jahrelang in der Abteilung und später im Bundesamt für Genie und Festungen massgeblich bei der Planung und Ausführung von permanenten Geländehindernissen und militärischen Bauten beteiligt. Militärisch war er zuletzt als Oberst i Gst im Astt 280.0 (Vertreter Abt Kdo BAUT) eingeteilt.

Informationen: «Wunderwaffen der Schweizer Armee». Autor Jürg Trick. Verlag Verein Schweizer Armeemuseum. Format 21 x 30 cm. Gebunden, Kartoneinband. 600 Seiten. vierfarbig mit vielen Zeichnungen, Skizzen, Karten und Fotos. Preis 79.– Franken (zuzüglich Porto und Verpackung).
Bezugsquelle www.armeemuseum.ch. ISBN 978-3-033-06166-8

Blick in einen Sprengstoffstollen unterhalb einer Strasse. © zvg

Jürg Trick mit seinem neuen Werk. Bild: Markus Hubacher, Spiez