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Militärmaterial ist ein Kulturgut von nationaler Bedeutung – und muss erhalten werden!

Medienmitteilung Vsam vom 6. September 2006

Der Verein Schweizer Armeemuseum wird sich für den weiteren gezielten Aufbau einer Systematischen Sammlung von historischem Material der Schweizer Armee einsetzen und fordert das VBS auf, nicht leichtfertig aufgrund betriebswirtschaftlichem Druck einmaliges Material zu liquidieren. Dem Direktor des Bundesamtes für Kultur wurde heute, 6. September, 14 Uhr, eine gleichlautende Forderung überreicht, die von 23 Verbänden und Organisationen mit mehreren 10’000 Mitgliedern unterzeichnet worden ist: In das derzeit auszuarbeitende nationale Museumskonzept gehört auch ein Armeemuseum!

 Heute wurde Jean-Frédéric Jauslin, dem Direktor des Bundesamt für Kultur, ein Aufruf übergeben, in dem die Integration eines künftigen Schweizer Armeemuseums in das nationale Museumskonzept gefordert wird. Unterzeichnet ist der Aufruf von 23 Verbänden und Organisationen (siehe Beilage), die über 50 000 Mitglieder vertreten. Hintergrund der Aktion sind die geplanten Massnahmen des Verteidigungsdepartements (VBS) in Bezug auf den Erhalt von historischem Militärmaterial.

Aktuelle Situation

Das VBS steht unter starkem Spardruck – finanziell, personell und auch in Bezug auf beanspruchte Liegenschaften. Als Folge davon will das VBS das bisher als zu erhaltend eingestufte historische Armeematerial massiv reduzieren. Da der Verein Schweizer Armeemuseum (Vsam) im Auftrag des VBS dieses Material betreut, sind wir direkt von den geplanten Massnahmen betroffen – der Weiterbestand des Vereins mit knapp 3000 Mitgliedern könnte dadurch in Frage gestellt werden.

Für das der Nachwelt zu erhaltendes Material sollen primär zwei Hallen im AMP Burgdorf zur Verfügung stehen, das heisst eine Mengenreduktion von 2/3 des heutigen Bestandes. Nur noch Einzelstücke von «epochaler Bedeutung» sollen eingelagert werden, jedoch der Öffentlichkeit nicht zugänglich sein. Diese Massnahmen würden den Erhalt und den weiteren Aufbau der Systematischen Sammlung (die via Leistungsvereinbarung VBS-Vsam geregelt ist) nicht mehr ermöglichen.

 Sicht Verein Schweizer Armeemuseum

Der Vorstand des Vsam ist sich bewusst, dass ein Armeemuseum, wie bisher anvisiert, in der heutigen Situation nicht realisierbar ist. Aufgrund der neuen Strategie des VBS soll das Schwergewicht unserer Aufgabe deshalb – wie es schon in den letzten Jahren der Fall war – beim Aufbau und der Pflege der Systematischen Sammlung liegen.

Wir halten klar an der Idee einer Systematischen Sammlung zuhanden der Nachwelt fest. Die Sammlung – mit Schwerpunkt in Thun aufgebaut – betrifft ein Kulturgut von nationaler Bedeutung. Grundlagen für unsere Arbeit sind die gültigen Weisungen des Generalstabschefs vom 30. April 2000 und die Leistungsvereinbarung zwischen Generalstab und Verein Schweizer Armeemuseum (Vsam) beziehungsweise Generalstab (GST) und Bundesamt für Betriebe Heer (BABHE) vom 1. Juli 2001.

Die Reduktion auf Material von epochaler Bedeutung ist aus unserer Sicht problematisch. In diesem Sinn wurden auch die Vereinsmitglieder an der Jahresversammlung Ende April informiert. Niemand kann heute verbindlich sagen, was morgen von Bedeutung sein wird. Der Vsam-Vorstand wird für den Erhalt und weiteren Aufbau dieser Systematischen Sammlung kämpfen. Dabei ist unbestritten, dass nicht durch blinde Sammelwut alles aufbewahrt werden soll. Die Triage soll jedoch auf wissenschaftlicher Basis durch Experten erfolgen. Es darf aber nicht sein, dass rein aufgrund betriebswirtschaftlicher und quantitativer Vorgaben historisches Material liquidiert wird und damit unwiederbringlich verloren geht. Der Vsam hat zudem dem VBS bereits Vorschläge für den Abbau von überzähligem Material unterbreitet, bisher ohne Reaktion.

Standpunkt des Vsam

– Wir halten am Projekt einer systematischen Sammlung des historischen Armeematerials zuhanden der Nachwelt fest.

– Die bisher zusammengetragene Sammlung stellt ein Kulturgut von nationaler Bedeutung dar; sie ist ein wesentlicher Teil der «Hardware» unserer Geschichte.

– Eine Reduktion auf Material von sogenannt epochaler Bedeutung ist problematisch. Niemand kann heute verbindlich sagen, was morgen wirklich von Bedeutung sein wird.

– Die Grundlagen für unsere Arbeit sind die nach wie vor gültigen Weisungen des Generalstabschefs bzw. die bestehende Leistungsvereinbarung.

– Der Vorstand wird sich mit Überzeugung für den Erhalt und weiteren Aufbau der heutigen Sammlung einsetzten. Eine Triage darf nur auf fachlich und wissenschaftlicher Basis und durch Experten erfolgen.

Tätigkeit des Vereins

Der Verein Schweizer Armeemuseum betreut seit Jahren das historische Material des Heeres. Schwerpunkt der Lager, Werkstätten und Sammlungsteilen ist dabei derzeit Thun. In der ehemaligen Pferderegieanstalt Schwäbis/Logistikcenter Thun sind die Sammlungen auf Anfrage und in geführten Gruppen zu besichtigen. Im letzten Jahr wurden über 80 Gruppen mit total rund 1500 Besuchern empfangen. Gezeigt werden können Oldtimer-Fahrzeuge, Uniformen und Kopfbedeckungen, Lampen und Laternen, Artilleriegeschütze usw. Für Besucher im Aufbau sind derzeit die Sammlungen Panzerabwehr und Fliegerabwehr sowie Maschinenwaffen.

Aufruf

Historisches Armeematerial

Die schrittweisen Bestandesreduktionen der letzten Jahre gepaart mit den immer rascher erforderlichen Ausrüstungserneuerungen ergeben zwangsläufig ein ständig wachsendes Volumen an historischem Armeematerial. Der Verein Schweizer Armeemuseum (Vsam) setzt sich seit Jahren für diesen Teil unseres Kulturgutes ein. Er betrachtet ihn als eines der bedeutenden Segmente der „Hardware“ unserer Geschichte. Viele 100’000 Wehr-männer (später auch Frauen) haben in den vergangenen 150 Jahren in diesen Uniformen, mit diesen Ausrüstungsgegenständen, Geräten, Fahrzeugen und Waffen einen wesentlichen Teil ihres Lebens verbracht.

Die unterzeichnenden Vereine, Verbände und Gruppierungen fordern den weiteren Auf- sowie Ausbau einer Systematischen Sammlung des historischen Armeematerials (das sich zu > 90% im Besitz der Eidgenossenschaft befindet) zur Erhaltung für die Nachwelt. Es ist hiefür ein geeigneter, der interessierten Öffentlichkeit zugänglicher Standort (z.B. in Thun – ältester Waffenplatz der Schweiz) zu bezeichnen und das Projekt ist in die Liste der Museen von nationaler Bedeutung aufzunehmen bzw. entsprechend durch den BUND zu fördern und zu unterstützen.

6. Juni 2006

Unterzeichnende Gruppierungen / Verbände:

AA  Aktion Aktivdienst

AGG  Arbeitskreis gelebte Geschichte

AVIA  Gesellschaft der Offiziere der Luftwaffe

+FCHM+ Fachgruppe Schweizer Munition (European Cartridge Research Association)

GMS  Schweizerische Gesellschaft für militärhistorische Studienreisen

IGW  Interessengemeinschaft Geschichte und Waffen

IS  Identität Schweiz

KSS  Komitee Selbstbewusste Schweiz

NWG  Nordwestschweizerische Waffensammler-Gesellschaft

OWG  Ostschweizerische Waffen-Sammler-Gesellschaft

Pro Libertate Schweiz. Vereinigung für Freiheit, Demokratie und Menschenwürde

Pro Militia Vereinigung ehemaliger Angehöriger der Schweizer Armee

Pro Militia Patronatskomitee

Pro TELL Gesellschaft für freiheitliches Waffenrecht

SFourV Schweizerischer Fourierverband

SFwV  Schweizerischer Feldweibelverband

SGHWR Schweizerische Gesellschaft für historische Waffen- und & Rüstungskunde

SUOV  Schweizerischer Unteroffiziersverband

U-V:EWR/EU Unternehmer-Vereinigung gegen den EWR/EU-Beitritt

VSMK  Verband schweizerischer Militärküchenchefs

VVSUOV Veteranenvereinigung SUOV

Vsam  Verein Schweizer Armeemuseum

WSCZ  Waffensammlerclub Zentralschweiz