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Als das Schloss Schadau ein Kriegsmuseum war …

Rückblick auf den Vortrag vom 23. Mai 2018

Schon seit 200 Jahren werden mit verschiedenen Zielsetzungen historische Gegenstände der Schweizer Armee gesammelt. Das Sammeln diente anfänglich der Instruktion, es ging aber auch darum, Objekte für die Nachwelt sicherzustellen und ein Museum zu begründen. Die Sammlungen wurden an wechselnden Orten aufbewahrt. Von 1934 bis 1960 bestand im Thuner Schloss Schadau ein Kriegsmuseum, das von einer privaten Gesellschaft betrieben wurde. Der Vortragsabend mit Hans Kelterborn und Henri Habegger beim Verein Schweizer Armeemuseum zeigte neue und unbekannte Aspekte dieser an Wechselfällen reichen Geschichte.

Hans Kelterborn, Präsident des Stiftungsrates Schloss Thun, beleuchtete die Geschichte des Schlosses. Der heutige Bau an einzigartiger Lage entstand um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Bauherr war der Offizier, Privatier und Gutsherr Alfred de Rougemont, der ein Einfamilienhaus mit 78 Räumen in einem Stil erbaute, der von den einen als anmassender Fassadenzauber kritisiert  und von andern als erhaltenswert eingestuft wurde. Kelterborn bezeichnete den Stil als romantischen Historismus. Durch Landkäufe wuchs der zum Schloss gehörende Grundbesitz im Lauf der Jahre auf 350 000 m2. Anfangs des 20. Jahrhunderts wurde der grösste Teil davon verkauft und überbaut. 1925 kaufte die Stadt Thun das Schloss als Abbruchobjekt mit rund einem Zehntel des ehemaligen Umschwungs für 350 000 Franken. Seither dienst es wechselnden Zwecken.

Henri Habegger, Vizepräsident des Vereins Schweizer Armeemuseum, hervorragender Kenner der Geschichte des historischen Armeematerials und dessen Sammlungsgeschichte, führte durch die Geschichte des Kriegsmuseums im Schloss Schadau. Ein Vorläufer mit etwas anderer Zielsetzung war das Internationale Kriegs- und Friedensmuseum im Luzern, das von 1902 bis 1919 bestand und auf eine Initiative des Pazifisten Jean Bloch zurückging. Viel Material, das dort gezeigt wurde, finden wir später wieder in der Schadau. 1922 wurde die Schweizerische Gesellschaft für eine historische Sammlung aus der Zeit des Weltkrieges gegründet. Sie erarbeitet ein Projekt für eine Ausstellung im Schloss Schadau und veröffentlichte 1933 einen Spendenaufruf, der von Empfehlungen namhafter Persönlichkeiten wie den beiden Präsidenten der Eidg. Räte sowie Bundesrat Minger begleitet war. Die Stadt Thun überliess der Gesellschaft die benötigten Räume unentgeltlich. 1934 konnte das Museum eröffnet werden. Über die Ausstellung  besitzen wir durch Dokumente und Bilder gute Kenntnisse. Gezeigt wurden Waffen und Munition, Geschütze, Flugmaterial, Sanitätsdienst, Übermittlungsmaterial, in- und ausländische Uniformen und Kopfbedeckungen, Notgeld, Plakate und Bekanntmachungen kriegführender Staaten und militärische Kartenwerke. Das Museum wurde 1938 erweitert und blieb während des ganzen Weltkrieges mit eingeschränkten Öffnungszeiten in Betrieb. Auf Befehl von General Guisan wurde 1941 ein Projekt für ein Grenzbesetzungsmuseum erarbeitet, das jedoch nicht weiterverfolgt wurde, als der Initiant verstarb. Nach Kriegsende wurde das Museum in der Schadau umstrukturiert und unter dem Namen Armeemuseum mit einer Sonderschau über Soldatenmarken neu eröffnet. Das Museum in der Schadau fand sein Ende, als die Stadt Thun den Mietvertrag kündete. Im Januar 1961 wurde die Schadau geräumt und das Ausstellunggut in die Zeughäuser Lyss und Sarnen und an mehrere andere Orte verfrachtet und eingelagert. Auf Initiative des Vereins Schweizer Armeemuseum wurde das noch auffindbare Material in den neunziger Jahren in mühsamer Arbeit aufgespürt, erfasst und wieder zusammengeführt. Heute bildet es einen zentralen Bestandteil der Sammlung des historischen Armeematerials, das als Bestandteil des Kulturgutes anerkannt ist und von drei Stiftungen im Auftrag des VBS betreut wird.

Fotos: © Markus Hubacher, Spiez